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Schauplatzwunden
Über zwölf ungewollt verknüpfte Leben

Erzählprosa
Wien 2020


191 Seiten, 12,5 x 19 cm
Hardcover mit Schutzumschlag


€ 20.-
ISBN: 978-3-7076-0707-9
Czernin

 

Zum Buch:

Zwölf Menschen sind durch ungeheuerliche Umstände und einen Schauplatz, den NS-Lagerkomplex Sankt Pantaleon-Weyer, unfreiwillig miteinander verbunden. Ludwig Lahers neue Prosa porträtiert Opfer, Täter und anderweitig von diesem Ort nachhaltig Berührte in zwölf scheinbar nüchtern alphabetisch gereihten Lebensgeschichten auf eindringliche Weise.

Niemand aus dem Dutzend hat nur Wochen davor geahnt, einmal mit dem abgelegenen Weiler am Rande des oberösterreichischen Innviertels in Verbindung gebracht zu werden. Unter ihnen finden sich u.a. ein Jurist mit erstaunlicher Karriere, ein extrem gewalttätiger Fleischhauer, ein schöngeistiger Germanist oder eine achtfache Mutter aus dem Schaustellergewerbe. Sie alle steuern von verschiedenen Seiten auf diesen Ort zu.

Dieses Buch ergänzt Ludwig Lahers Bestsellerroman von 2001 "Herzfleischentartung" und ist doch ein absolut eigenständiger, ungemein informativer und beklemmend aktueller Blick auf eine aus allen Fugen geratene, demokratiebefreite Gesellschaft.

 

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Kritikerstimmen:

Laher hat in unzähligen Quellen recherchiert, hat viele Gespräche geführt mit Augenzeugen, Nachkommen, auch NS-Tätern. Und Laher nennt fast alle Namen. Die Abfolge der Porträts ist alphabetisch gegliedert, was sehr gut funktioniert - sind doch die Schicksale durch den Ort und dieselben Personen wie Lagerleiter oder -arzt miteinander verwoben. (...) Gerade solche Details sind sehr eindrücklich, das Lesen schmerzt. Die Schergen beschreibt Laher in ihrer dumpfen Brutalität. Etwa den Lagerverwalter Gottfried Hamberger, dessen Tätigkeit bestimmt ist von Korruption, dem Ausleben von Sadismus und immer viel Alkohol. (...) All das mag auf der Skala der NS-Gräueltaten nichts Besonderes gewesen sein. Aber die Berichte erzeugen mit ihren Einzelheiten eine ganz dichte Stimmung von Ohnmacht und Angst. Ludwig Lahers Absicht ist es dabei, so schreibt er, diese zwölf Menschen "in eine zeitlose Gegenwart zurückzuholen". Das ist ihm mit dem Buch gelungen.

(Patrick Guyton, taz)

Nichts ist vergangen. Davon ist Ludwig Laher überzeugt. In seinem akribisch recherchierten Buch "Schauplatzwunden" führt er die Lebensgeschichten von zwölf Menschen rund um das NS-Lager im oberösterreichischen St.Pantaleon-Weyer zusammen. Er erzählt von den Inhaftierten, darunter Roma und Sinti, aber auch von Lageraufsehern, Mitgliedern der NS-Justiz und einfachen Dorfbewohnern. (...) Anhand von Einzelschicksalen zeichnet Laher in seinem Buch das Bild der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft nach, deren Wunden bis heute sichtbar sind.

(Sophie Weilandt, Zeit im Bild, ORF)

Ludwig Laher spürt in seinem neuen Buch "Schauplatzwunden" der Geschichte der Region nach und verknüpft zwölf Schicksale, die um den Lagerkomplex St.Pantaleon-Weyer kreisen. (...) Es sind Figuren, die real existierten, deren Namen etwa noch beim Kriegerdenkmal in Ried nachzulesen sind, und denen der Autor anhand alter Fotos oder Schriftstücke nachspürte. Bereits in seinem Bestsellerroman "Herzfleischentartung" näherte er sich dem Thema an, inzwischen hat er seine Recherche weiter vertieft. (...) Im Werk tritt er als Ich-Erzähler auf, der teilweise ganz persönlich seine Eindrücke vom Gefundenen schildert und über das Leben seiner Figuren berichtet. Zu lesen ist etwa über das "Zigeunerkind" Amalia Blach, über den Germanisten Dr. Edmund Haller bis hin zu August Steininger, den Lagerkommandanten von Weyer. Thematisiert wird auch die Nachkriegszeit und "der mangelnde Wille der Republik Österreich, die überlebenden Opfer zu stützen und die Täter einer gerechten Strafe zuzuführen."

(Theresa Senzenberger, Tips Braunau)