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Überführungsstücke
Roman
Göttingen 2016


177 Seiten, 13 x 21 cm
Hardcover mit Schutzumschlag


€ 19.90 (D); € 20.50 (A)
ISBN: 978-3-8353-1876-2
Wallstein

Zum Buch:

Oskar Brunngraber ist bayerischer Justizverwaltungsinspektor, Herr über die Asservatenkammer. Dort und in seinem Büro lässt er die unzähligen Überführungsstücke lebendig werden, die er verwaltet. Er sprudelt fast über vor Assoziationen und Sprachlust, beschäftigt sich mit kleinsten Details und deutet ganz nebenbei die Welt. Abgründig ist sein Humor, zuweilen absurd und trotz allem ernsthaft.

Es scheint, als wäre er geschaffen für seinen Beruf. Und doch ist er nur zufällig in ihn hineingerutscht. Die weiteren Kapitel des Buches entschlüsseln ebenso assoziativ seine erstaunliche Biographie, diesfalls anhand privater Überführungsstücke, diverser Gegenstände aus verschiedenen Phasen seines Lebens, die aufgeladen sind mit Erinnerung. Während des Erzählens erst werden ihm viele Zusammenhänge so richtig bewusst.

Und schließlich ist da noch der künstlerisch begabte, kulturbegeisterte Privatmann Brunngraber, der wie ein Schwamm aufsaugt, was andere gedacht, geschrieben, gemalt, komponiert haben. Der zurückgezogen auf dem ausgebauten Dachboden Tausende Bilder malt, bunt, gestisch, mit großem Formgespür. Der als Kleinkünstler und Vollblut-Rampensau mitten unter die Leut geht, literarisch-kabarettistische Programme gestaltet, ein richtiges Mimikmonster, wie es in einer Rezension heißt. Der alte Schlager zum Besten gibt und jazzt.

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Kritikerstimmen:

Für Ludwig Laher ist die genaue Recherche ein wichtiger Bestandteil seiner Arbeit. Und so geht es auch im neuen Roman 'Überführungsstücke' ums echte Leben. Ein Justizbeamter, zuständig für die Asservatenkammer, erzählt anhand polizeilicher Beweisstücke (...) aus seinem Alltag. Dabei haben den Autor weniger die blutrünstigen Fälle interessiert als die kleinen Geschichten hinter den Dingen, die missglückten Biographien und Allerweltssorgen. (...) Mit sprachlicher Sorgfalt und Liebe zum Detail entwirft Ludwig Laher auf nur knapp hundertachtzig Seiten einen ganzen Mikrokosmos an Geschichten.

(Sophie Weilandt, ORF Fernsehen - Zeit im Bild)

Was erzählt er hier nur, denkt der Leser auf den ersten Seiten. Doch dröge und bürokratisch langweilig, wie das zu sein scheint, ist es bald ganz und gar nicht. Der Österreicher Ludwig Laher, geboren 1955, der so viele zeitkritische, die schrecklichen Kapitel des 20. Jahrhunderts aufarbeitende Romane geschrieben hat, der auch an die Ränder der Moderne gegangen ist und den allzu oft Ausgegrenzten unserer Gesellschaft eine gar nicht leise Geschichte gegeben hat, schreibt nun über einen bayerischen Beamten, einen Justizverwaltungsinspektor. (...) Mit seiner Lust an der Sprache, seinem Spiel mit den Worten macht er aus den Mordwerkzeugen, den Drogen und anderen "Überführungsstücken" kleine Dramolette - höchst abenteuerlich, tragisch oder skurril, auch kitschig, denn das Leben kennt nun mal jede Menge Kitsch. Der Leser folgt ihm schnell gerne in die "ungeahnten Räume", die alles andere als "berufsimmanente partielle Gehirnfreistellung offenbaren. Laher entwirft eine Charakterstudie, ja reißt mit jeder Geschichte seinem Helden eine andere Maske vom Gesicht. Der lässt mehr und mehr sein eigenes Leben einfließen, seine Großmutter- oder Vatergeschichte, letztlich beide prägend. Der im Hochsicherheitstrakt sitzende, vor sich hinalternde Mann mit Halbglatze - man kann ihn sich gut vorstellen - kriegt die disparaten Tage der Gegenwart zu fassen. Und das monologische Erzählen wird nach und nach von besonderem Reiz.

(Stefan Rammer, Passauer Neue Presse)

Beginnen wir dort, wo die Geschichte beginnt: in der Asservatenkammer der Staatsanwaltschaft. Was da herumliegt! Falsche Picassos, Handys, Waffen, Betäubungsmittel (...) - ein Autor mit mehr krimineller Energie hätte Oskar Brunngraber zum Dealer und Hehler werden lassen müssen. Ludwig Laher aber macht seinen Justizverwaltungsinspektor, lange Jahre schion im Dienst von Sicherheit und Ordnung, nur zum Plauderer. (...) Weil wahrlich ein Kritiker nur der sein kann, der seinen Gegenstand verinnerlicht hat, kennt er die "schriftlich erfolgte Anleitung zum richtigen Büroraumlüften, und zwar jahreszeitenkompatibel" natürlich nicht weniger in- denn auswendig. Und das ist herrlich. Denn zum einen dankt man ihm diesen neckischen Gegenentwurf in Zeiten von TV-Krimis à la CSI und ihrer forensichen Dramaturgien. Zum anderen ist das sprudelnde Monologisieren, dessen Laher sich stilbildend bedient, ein ganz und gar gekonntes.. (...) So knapp ist das Nennenswerte oder zumindest Nennensmögliche jeweils verzeichnet, dass es mit einem ganzen Satz hier schon überrepräsentiert wäre. Aber ein jedes Klagen, Hinterfragen und zärtliche Sudern ist am Punkt und trifft. Vollkommen subjektiv und doch fest in dieser unserer gemeinsamen Realität verankert. Kenner von Lahers Werk wird dies nicht wundern. (...) Als Charakterzeichnung vereint Überführungsstücke aber bodenständigen Humor mit feiner Zunge. Leichthändig und pointiert breitet Laher die (Gedanken-)Welt dieses etwas schrulligen, in seiner stillen Renitenz unheimlich sympathischen Beamtenpoeten aus.

(Michael Wurmitzer, Der Standard)

"Eine wahre Fundgrube wäre das für Schriftsteller", sagt Brunngraber zum namenlosen Erzähler. Aber was heißt hier Erzähler! Zum eigentlichen Erzähler wird der bereitwillig schwadronierende Asservatenkämmerer selbst. Da er aber die strafrechtlichen Hintergründe zu den meisten Asservaten gar nicht kennt, entstehen keine Kriminalgeschichten. Der Fokus richtet sich immer weniger auf die Überführungsstücke und deren Funktion, sondern immer mehr auf den Menschen Oskar Brunngraber, der im letzten Romandrittel bereitwillig Auskunft über sein Leben gibt. Ein gelungener Kunstgriff des aus St. Pantaleon stammenden Laher besteht darin, dass er die private Geschichte des Asservatenkämmerers auch an symbolisch aufgeladenen Objekten festmacht, an einem Teddybären, einer weiß lackierten Lederhose, an kunstvoll gestapelten Weinbrandflaschen in Vaters Garage. Ludwig Lahers Leser werden von seinem neuen Roman vielleicht überrascht sein, denn Laher rückt von seinem direkten, halbdokumentarischen Erzählverfahren ab, wie man es aus "Bitter" oder "Verfahren" kennt. Laher-Leser erwarten sich von "Überführungsstücke" möglicherweise sozialrealistische Verbrechensliteratur, sie bekommen aber eine fein gesponnene Persönlichkeitsstudie. Diese Überraschung ist nicht nur zumutbar, sie ist lesenswert.

(Christian Schacherreiter, Oberösterreichische Nachrichten)

Diesmal ist es anders, diesmal hat der Herr Oskar einen interessierten Besucher, dem er - wie einst der Herr Karl - klar machen kann, wie der Hase so läuft. Denn nur die erste Zeit scheint das erzählerische Konzept auf der banalen Erkenntnis aufzubauen, dass hinter jedem der gelagerten Gegenstände eine Tat, ein Schicksal steht. Doch eigentlich interessieren den sich in eine Plaudertasche verwandelnden Justizbeamten die sprachlichen Feinheiten oder besser Ungereimtheiten der Akten wesentlich mehr als ihr Inhalt. Und je mehr Brunngraber Vertrauen in den Erzähler als seinen Zuhörer fasst, desto privater wird er. Dann schließt er seine persönliche "Kopfasservatenkammer" auf und lässt an der eigenen Familiengeschichte teilhaben. Laher denunziert nicht, er differenziert. Aus dem schrulligen Beamten wird allmählich ein vielseitig interessierter, malender, auch kleinkünstlerisch begabter Eigenbrötler, der einerseits Vorschriften genau befolgt und sich dennoch nichts vorschreiben lassen will. Freilich aber auch kein Sympathieträger, sondern ein Querkopf, von dem aus der Weg zum Querulanten nicht weit sein dürfte. Und so bewegt sich das Buch weg von den Kriminalfällen hin zu einer Charakterstudie, die schon vor dem überraschenden Schluss für manche unerwartete Wendung sorgt. Laher klagt nicht an und will auch niemanden überführen. Stattdessen baut er Vertrauen auf und lässt reden. Das hat sich schon oft als beste Verhörmethode erwiesen.

(Wolfgang Huber-Lang, APA, Kleine Zeitung, Salzburger Nachrichten)

Um es gleich vorweg zu sagen: Dieser Brunngraber war mir von der ersten Seite an extrem sympathisch. Stellen Sie sich einen Verwalter der Asservatenkammer vor, der mir nix dir nix ein Tütchen mit Hanfsamen in das unter seinem Bürofenster gelegene Biotop auf der Rückseite des Justizzentrums entleert und sich an der Vorstellung erfreut, dass in ein paar Monaten jemandem beim Vorbeigehen auffallen wird, dass da etwas nicht stimmt ... So einen müsste man doch mal kennenlernen, habe ich mir gedacht und weitergelesen. Das Ergebnis? Ein höchst vergnügliches Wochenende auf der Couch mit einem Kabarettisten erster Klasse. (...) Wie jedes Ding seine zwei Seiten hat, so hat sie auch dieser Mensch Oskar Brunngraber: eine dienstliche und eine private Seite, die er in der zweiten Hälfte des Romans offenlegt. Der Teddybär auf dem Coverbild spielt in seiner Familiengeschichte eine maßgebliche Rolle als Erinnerungsstück. Er gehörte Brunngrabers Vater. Und in der Art, wie sich in der offengelegten Kiste der Überführungsstücke die dienstlichen und die privaten Gegenstände vermischen, so entsteht auch das Bild des Menschen, der da erzählt. Mehr verrate ich nicht. Oder doch. Ein Brunngraber-Zitat noch: »Ich sage immer: Jede Nacht ins Bett gegangen, jeden Morgen wieder aufgestanden. Wunderbar.« Lernen Sie ihn kennen, diesen Brunngraber. Es lohnt sich. Wirklich.

(Susanne Rikl, gute-buecher-lesen.de)

Der bayerische Justizverwaltungsinspektor Oskar Brunngraber ist für die Asservatenkammer zuständig. (...) Zu jedem Objekt hat er eine reale oder fantasievoll ausgeschmückte Geschichte parat. Er spricht zu einem fiktiven Zuhörer, immer weiter assoziierend, bis er allmählich in die Geschichte seines eigenen Lebens gleitet. (...) Laher, dessen letzter Roman dokumentarisch-kritisch war, zeigt sich hier von einer neuen Seite. Es gelingt ihm meisterhaft, die Handlung mit ihrem ironisch-grotesken Anfang hin in eine Lebensgeschichte zu verwandeln, die zunächst unter keinem guten Stern stand. (...). Breit empfohlen.

(Peter Vodosek, ekz bibliotheksservice)

Der erste Teil von Ludwig Lahers „Überführungsstücke“ erscheint als ein makabres Panoptikum, eine Rekonstruktion menschlicher Abgründe, gesehen durch die Augengläser eines Asservatenbeamten, dessen aus Not geborener schwarzer Humor seine dicke Brille stark eindunkelt: zu einer Schutzbrille gegen den Schrecken, hinter der sich letztlich auch der Archivar von Tatortspuren verbirgt. Er zeigt nicht sein ganzes Gesicht. - Anders der zweite Teil des Buches. Da wird der Mensch hinter der Brille sichtbar und öffnet sich dem Leser, indem er - vorsichtig - biographische Details, Lebenshaltungen, erlittene Verletzungen und auch Unsicherheiten preisgibt. Das ermöglicht dem Leser Anteilnahme. Da wird die Figur des Protagonisten plastisch. Man hat das Gefühl einem dieser - eher seltenen - Abende am Kamin beizuwohnen, an denen der Rotwein hilft, den Schutzschild einer Person plötzlich durchscheinend zu machen. Der Archivar des Schreckens wird zum durch sein eigenes Schicksal erschreckten Menschen. - Gestörte Vaterbeziehung, Entführung aus dem Elternhaus, Unterschlupf bei der Großmutter, Schulversagen, Flucht in die Kunst-Welt, Selbstmord des Vaterpeinigers... . Alte Kindheitstraumata brechen auf. Durch dieses Buch darf sich bereichert fühlen, wer empathisch sorgsame Menschenbeobachtung zu schätzen weiß.

(Jürgen Geers, Hessischer Rundfunk)

An der Figur Oskar Brunngrabers, einem Justizverwaltungsinspektor, zeigt Laher, wie durch Gegenstände ein ganzes Leben oder eine ganze Geschichte entdeckt oder lebendig gehalten werden können. Brunngraber arbeitet in der Asservatenkammer, wo zahlreiche Beweisstücke für alle Arten von Vergehen und daran anschließende Gerichtsprozesse aufbewahrt werden. Zunächst lässt Laher ihn kleine Anekdoten von bestimmten dieser 'Überführungsstücke' erzählen, die dort aufbewahrt werden. Später kommt Brunngraber zu ganz persönlichen Dingen, Gegenständen, die für ihn eine besondere Bedeutung haben oder an denen Erinnerungen hängen. So taucht der Leser immer tiefer in die Gedankengänge und die Geschichte des Protagonisten ein. Und das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. denn obwohl das Buch durchaus ernste Themen bearbeitet, ist es doch eher kabarettistisch und lustig geschrieben. Das ist auch Laher wichtig. (....) Und das ist ihm auch gelungen. (...) Außergewöhnlich ist auch die Erzählperspektive des Romans.

(Katharina Ertl, Südostbayerische Rundschau)

In der Literatur gibt es seit über hundert Jahren sicher keinen Überschuss an geglückten Lebensläufen, das kann man ruhig verallgemeinern. Zufriedenheit gibt literarisch zu wenig her. (...) Anders im Fall von Ludwig Lahers neuem Roman Überführungsstücke (Wallstein) und seinem Helden und Icherzähler Oskar Brunngraber. In dem Archiv der Verunglückten, das die Literatur darstellt, ist er ein Sonderfall: ein zufriedener Mensch, man stelle sich das vor, und das, ohne dass ihm der Leser dabei einen blinden Fleck in der Selbstwahrnehmung nachweisen könnte, ohne dunkle Geheimnisse und dräuendes Unheil. (...) Der so sichtlich in alle Richtungen ausufernde Monolog ist in einem zwischen Gemütlichkeit, beamteter Umständlichkeit und Hirnakrobatik changierenden, teils verklausuklierten Ton gehalten, einer hybriden Amtsstubenprosa, an der Brunngraber selbst sichtlich Freude hat und der Leser immerhin fast ausnahmslos. (...) Auch Laher selbst hat etwa in seinem letzten Roman, Bitter, die Biographie des SS-Sturmbannführers Friedrich Kranebitter im bürokratischen Jargon der Täter aus den Akten auferstehen lassen. in Überführungsstücke allerdings wird dieses zur Sistierung alles Lebenden erfundene Idiom bloß ironisch zitiert; erzählt wird zwar über den behördlichen Umweg der Akten- und Beweisstücke, immer allerdings in dem Bewusstsein, dass das nur eine unter vielen Möglichkeiten für das Erzählen einer Geschichte ist, eine ziemlich abwegige dazu, und, wie man nach der Lektüre ergänzen kann, eine ausgesprochen ergiebige. (...) Schlussendlich ist Brunngraber nicht, wie er anmerkt, verunglückt, sondern ganz unerwartet "verglückt" (...), und seine Erzählung davon, getränkt von der sanften Ironie dessen, der sich selbst schon lange auf die Schliche gekommen ist, ist aufs angenehmste irritierend.

(Bernhard Oberreither, Literatur und Kritik)

„Überführungsstücke“, so der Titel des aktuellen Romans von dem aus St. Pantaleon stammenden Autor Ludwig Laher. Mit elegantem Witz erzählt Laher die Geschichte des schrulligen Beamten Oskar Brunngraber, der uns im Roman mit auf eine Tour in die Kellergewölbe eines bayerischen Justizzentrums nimmt. Brunngraber ist Justizverwaltungsinspektor in einer Asservatenkammer und hat die Aufgabe, Beweisstücke, mit denen kriminelle Handlungen begangen wurden, zu archivieren. Die Hintergründe, die sich hinter all diesen Überführungsstücken verbergen, kennt Brunngraber meist nur ansatzweise. Doch sein Erfindungsreichtum quillt förmlich über und so spinnt er sich seine eigenen Geschichten rund um die skurrilen Beweisstücke in seinem Refugium. Und nicht zuletzt geben die Überführungsstücke im Hochsicherheitstrakt Anlass dazu, voller Sprachlust die Welt zu deuten und über sein eigenes Leben zu erzählen.

(Judith Raab, ORF Hörfunk)

Die große Welt leistet sich oft kleine Nischen, in denen sie in einer einzigartigen Anordnung ihre Geheimnisse zur Schau stellt. Das kann die berüchtigte Glasmenagerie sein, worin sich die Psyche der Sammlerin spiegelt, das Kramuri-Museum am Innsbrucker Bergisl, worin die Geschichte Tirols als Devotionaliensammlung angeordnet ist, oder eben eine Asservatenkammer, worin Stücke des Schreckens und der alltäglichen Kriminalität für die Hauptverhandlungen am Gericht aufbereitet werden. Ludwig Laher lässt nach einem Fünfzeiler von Konrad Bayer, wonach alles etwas Andres bedeuten kann, ziemlich wortgewaltig und auf barocke Ausschweifungen fokussiert einem Asservaten-Beamten freien Lauf. Allein das Wort „asservieren“ (für amtlich bewachen) zeigt, dass der Held Oskar Brunngraber mit großer Hingabe alles auf der Welt betreuen kann, wenn es gewünscht wird. (....) Überführungsstücke sind eine große Belohnung für jeden, der sich nur einen Hauch lang für elegante Bürokratie interessiert.

(Helmuth Schönauer, Gegenwartsliteratur)

In seinem neuesten Roman "Überführungsstücke" entführt uns Ludwig Laher in die streng abgesicherte Asservatenkammer am Landgericht einer bayerischen Kleinstadt. Oskar Brunngraber, Justizverwaltungsinspektor ebendort, hat viel zu erzählen über das Sammelsurium sichergestellter und beschlagnahmter Gegenstände, mit denen er, alleine in der Kanzlei, einen Gutteil seiner Lebenszeit verbringt. (...) Die Asservatenkammer, die Brunngraber mit Akribie und hohem Verantwortungs-, beinahe Sendungsbewusstsein betreut, wird zu einer Metapher für die persönlichen "Asservate" eines nach außen hin bieder fundierten Lebens, in dem sich bei genauerem Hinschauen verletzte Seelen, ungenützte Möglichkeiten, Monstrositäten unauffälliger Curricula und verzerrende Geheimnisse auszubreiten beginnen - nicht alles wird geklärt, so bleibt dem Leser jener Leerraum, den er selbst zu füllen vermag. (...) Reduzierte Ansprüche ohne Resignation erlauben Brunngraber ein Parallelleben, in dem seine Talente trotz aller Widrigkeiten überleben und von ihm gehegt werden. So gehegt und gedeihlich gepflegt, dass sie die persönliche autistische "Kammer" sprengen und ihr Publikum erreichen und bereichern. Das surreale Ende der Geschichte setzt uns Leser plötzlich, aber unversehrt wieder in unsere reale Welt zturück.

(Sylvia Nachtmann, Salzach-Brücke)

Oskar Brunngraber verbringt als bayerischer Justizverwaltungsinspektor den Großteil seiner Arbeitstage alleine in der Asservatenkammer. Der österreichische Schrifsteller Ludwig Laher liefert mit "Überführungsstücke" das Porträt eines launigen Bilderbuchbeamten, der zufrieden mit seinem Beruf ist und sich mittels blühender Fantasie, anarchistischem Humor und einer besonders ausgeprägten Lust an Sprache den Alltag bunt gestaltet. Ordnungssinn und Sammeltrieb lebt Brunngraber bei der Arbeit aus, den Drang zum Geschichtenerzählen auf den Kleinkunstbühnen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Seine große Leidenschaft aber gilt der Malerei. An diesem Tag begleitet ihn ein nicht näher definierter Besucher auf dem Weg von der vollgestopften Asservatenkammer zum Stechuhrterminal und in die Kantine.

(Jeannette Villachica, Wiener Zeitung)

Im DIenste der Wahrhheitsfindung arbeitet Brunngraber, Beamter von hoher Bildung und altem Berufsethos sowie Ludwig Lahers Erzähler im Roman "Überführungsstücke". (...) Was als liebenswürdiger und gut recherchierter Monolog eines "erschütterlichen Optimisten" beginnt, geht über in eine Familiengeschichte, angesichts derer alles Erreichte als unwahrscheinlliche Rettung erscheint.

(Dominika Meindl, Kulturbericht Oberösterreich)

Ludwig Laher, Jahrgang 1955, kennt man vor allem als Autor dokumentarischer Romane. (...) Jetzt hat sich Laher in den Kopf eines Justizverwaltungsinspektors hineinbegeben. Er heißt Oskar Brunngraber und ist Hüter der Asservatenkammer, die mit Mordwaffen und Kuriosa gut bestückt ist., mit sogenannten "Überführungsstücken" - so auch der Titel des Romans. Die Objekte und ihre Geschichten versprechen Spannung oder eine Art morbide Komik. (...) Als Sprungbrett in einen Roman taugen seine Impressionen und Meinungen (...) aber nur bedingt. (...) In gut österreichischer Erzähltradition wird monologisiert. Nur warum? Wer genau ist der Adressat?

(Anja Hirsch, Frankfurter Allgemeine Zeitung)

“Überführungsstücke” stehen im Zentrum des neuen Romans des österreichischen Autors Ludwig Laher. Diese werden in der Asservatenkammer einer bayerischen Justizstelle ausgebreitet. Das neue Buch des österreichischen Autors ist unser Buch-Tipp der Woche.

(vienna.at)

Ludwig Laher zeigt in den "Überführungsstücken" auf sehr feine Weise, dass es nicht die große Karriere, sondern Werte wie Offenheit, Empathie und Humor sind, die dem Leben Sinn verleihen. Nebenbei entkräftet er überzeugend das Vorurteil, dass "Bürohengste" langweilige und engstirnige Menschen sein müssen. Der schmale Roman hinterlässt nach der Lektüre ein warmes Gefühl, ganz unaufdringlich schwingt eine Anleitung zur Lebenskunst mit - sehr zu empfehlen!

(Ingrid Kainzner, Bibliotheksnachrichten)

Das schmale Buch, mit einem interessanten, mit verschiedenen Asservaten gestalteten Cover, macht deutlich, dass auch ein auf den ersten Blick langweiliges Leben sehr bunt und vielfältig sein kann; mindestens so bunt und vielfältig wie die Sprache dieses Textes, Inhalt udn Stil heben sich deutlich von der derzeitigen Mainstream-Literatur ab.

(Dorothee Rensen, Buchprofile/Medienprofile)

Als einen von drei Spitzentiteln im Herbstprogramm veröffentlichte der Wallstein-Verlag den neuen Roman von Ludwig Laher. Seit 35 Jahren ist Oskar Brunngraber Justizverwaltungsinspektor und Herr über die Asservatenkammer. (...) Anhand vieler privater Überführungsstücke in der Geschichte lernt der Leser auch die zweite künstlerisch begabte, kulturbegeisterte Seite von Brunngraber kennen. Als Kleinkünstler und Rampen-Sau geht er mitten unter die Leute, gestaltet literarisch-kabarettistische Programme und ist auf den Kleinkunstbühnen als „Mimikmonster" bekannt.

(Sabrina Reiter, Tips Braunau)

Ludwig Laher ist kein Unbekannter in der Schriftstellerszene. (...) Er erhielt zahlreiche Literaturpreise und wurde 2011 für den deutschen Buchpreis nominiert. Sein neuester Roman erzählt von einem bodenständigen, aber gleichzeitig schrägen, mit absurdem Humor ausgestatteten, bayerischen Justizbeamten mit begnadeter schauspielerischer Begabung.

(pt, Inn Salzach Kurier)