Ixbeliebige Wahr-Zeichen?

Ixbeliebige Wahr-Zeichen? Über Schriftsteller-"Hausorthographien" und amtliche Regel-Werke
Essay
Innsbruck - Wien 2008


144 Seiten, 13 x 21 cm
Hardcover mit Schutzumschlag


€ 19,90,
ISBN: 978-3-7065-4629-4
StudienVerlag

Zum Buch:

dieses Buch rettet Zeichen, darunter auch meine. Die Zunge braucht keine Rettung, aber die Zeichen brauchen sie umso nötiger. Absurde Rechtschreibreformen haben sie deformiert anstatt reformiert. Ich danke sehr für meine Rettung, denn meine Zeichen sind ich. Sie sind mehr als ich, die ich nur eine bin, aber sie sind mir alles. Ich selbst sage nicht immer die Wahrheit, meine Zeichen, mit denen ich sie sage, tun das aber doch, und zwar genauso wie ich es will. Die Schreibung von Worten, die hier in diesem Buch vor dem Zugriff von Sprachverwaltung und Sprachpolizei gerettet wird, ist nie unbegründet. Ich zum Beispiel kann die Schreibung jedes einzelnen Wortes, das ich Ihnen leihe, aber nicht schenke!, erklären, und meine KollegInnen und Kollegen können das auch, man darf den Worten und Wörtern nur keine Zwangsjacke anziehen, bis sie sich nicht mehr bewegen können. (...) Dieses Buch braucht kein Vorwort, es ist ein Vorwort zu den letzten Worten der Sprache, denn was man liest, das ist es.

(Elfriede Jelinek)

wahrzeichen


Kritikerstimmen:

ewöhnliche Schreibfehler, eine wichtige Erkenntnisquelle für Sprachforscher übrigens, können natürlich auch auf "höchster Ebene" vorkommen. (…) Davon abgesehen aber bricht Ludwig Laher dem Recht des Autors auf seine eigene Schreibweise eine Lanze: mit anschaulichen, nachvollziehbaren Beispielen und mit Hilfe von eben dieser „höchsten Ebene“. Laher hat für seine „Ixbeliebige Wahr-Zeichen“ Elfriede Jelinek, Kathrin Röggla, Raoul Schrott, Robert Menasse oder Peter Waterhouse kontaktiert oder hat die Sprach- und Schreib-Welten eines Uwe Johnson analysiert: Mit Akribie und großem Gespür für Anschaulichkeit, die sich auch Nicht-Sprachwissenschaftlern unmittelbar erschließt, erzählt Laher etwa von der Bedeutung des Bindestrichs, des Doppelpunktes oder anderer Satz-Zeichen, die durch unorthodoxe Setzung neue Bedeutungen erschließen. Die Bestandteile des Buchtitels sind übrigens von Elfriede Jelinek. Und die Nobelpreisträgerin macht eindeutig klar, warum es „ixbeliebig“ heißen muss und nicht „x-beliebig“. (…) Ein hinreißend kluges Buch, das allen empfohlen sei, die - aus welchen Gründen auch immer - sich gelegentlich gezwungen siehen, Buchstaben aneinander zu reihen.

(Heidemarie Klabacher, DrehPunktKultur)

udwig Laher (…), bekannt für einen scharfen Blick für verdrängte und verschwiegene österreichische Zustände, macht sich ein ganzes Buch lang Luft über Versäumnisse und Ungereimtheiten der Rechtschreibreform. „Ixbeliebige Wahr-Zeichen?“ ist soeben im Innsbrucker Studienverlag erschienen. (…) Gewiss, es gibt Anlass, aufzubegehren. Wie eine Sprache gehandhabt wird, spiegelt den Zustand einer Gesellschaft. Selbstverständlich brauchen wir Regeln, an die wir uns beim Schreiben halten, sonst missverstehen wir uns pausenlos. Und befremdlich ist, wenn über die Schreibregeln nach dem Befehlen-Gehorchen-Prinzip befunden wird. Das zeigt das Beispiel der Säuberung von Schulbibliotheken, aus denen jene Bücher entsorgt werden, die nicht den Maßstäben der aktuellen Rechtschreibung entsprechen. Als im Jahr 2004 das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur dieser Bücherverbannung Einhalt gebot, tat es dies mit folgender Begründung: „Das Kennenlernen von literarischen Texten und die aktive Auseinandersetzung mit ihnen sollen nicht geringer bewertet werden als die verwendete Schreibweise.“ Heißt das also, dass die Qualität eines literarischen Textes nur so viel wert wie die Normschreibung? Ludwig Laher meldet sich als Schriftsteller zu Wort. Diese Berufsgruppe lebt zu einem guten Teil davon, Regeln, also auch Sprech- und Schreibregeln, zu brechen. Laher befasst sich in diesem Buch etwa mit Elfriede Jelinek, Kathrin Röggla, Raoul Schrott oder Peter Waterhouse. Auch Goethe, Stifter, Kafka oder Uwe Johnson kommen zur Sprache.

(Anton Thuswaldner, Salzburger Nachrichten)

chon im Titel zeigt Laher, worum es geht: „Ix-beliebige Wahr-Zeichen?“ steht genau so da, wie er ihn geschrieben haben will. Nicht regelkonform, sondern gemäß seinem Ausdruckswillen. Der Inhalt des Essays ist ein Plädoyer für „das Recht der Autoren, ihre Sprache adäquat zu verschriftlichen“ und eine Polemik gegen die Rechtschreibreform und deren Reform. Das ist spannend, wenn es von einem Mitglied des Rates für deutsche Rechtschreibung kommt. (…) Der Essay ist pointiert und einsichtsreich; seine Lektüre sei ganz besonders den strengen Sprachverwaltern ans Herz gelegt.

(Dominika Meindl, Oberösterreichischer Kulturbericht)

Ist Sprache lebender Organismus oder tote Materie? (...) Von solchen Fragen führt Ludwig Lahers spannende essayistische Annäherung zu den persönlichen "Hausorthographien" von Prosaschriftstellern als Teil ihres ästhetischen Programms. Wie steht es um den Respekt vor der Integrität der Textgestalt? Dieses kurzweilige und doch exakt recherchierte Buch erlaubt tiefe Einblicke in die ästhetischen wie die literatursoziologischen Implikationen sprachlicher Zeichen.

(Andreas Schlichtherle, Tiroler Schule)

as aber, wenn amtliche "Rechtschreibzensoren" den schöpferischen Gedankengestaltungsprozeß mit genormten Schreibvorschriften glatt bügeln wollen? Ludwig Laher vermittelt mit seinem neuen Buch über Schriftsteller-"Hausorthographien" und amtliche Regelwerke exakt recherchierte Einblicke in die Implikationen sprachlicher Zeichen - klug und witzig, vom Bindestrich bis zu ixbeliebig.

(Buchstaben in Bestform, Salzburger Monat)

udwig Laher meint, dass man die Absichten von Autoren, der amtlichen Schulpädagogik und eines schriftverwaltenden Amtsapparates ohnehin nur schwer auf eine Reihe kriegen wird. Aber der momentane Zustand ist höchst unerfreulich, und Protest ist angesagt. So ist diese herz-feste Dokumentation selbstverständlich in der alten Rechtschreibung vorgetragen, wie sie bis 1996 gegolten hat. Nicht dass sich nichts verändern sollte, aber ein von überforderten Sprachverstümmlern zusammengedrechselte Rechtschreib-Regelwerk verhöhnt letztlich die Autoren und die Sprache sowieso.

(Helmuth Schönauer, Tiroler Gegenwartsliteratur)

Ob ix oder iks – fest steht: Die Rechtschreibreform hat ein Chaos angerichtet! Die Verursacher sind sakrosankt und belehren unbehölligt. Wer die Regeln bislang noch nicht kennen gelernt hat, könnte sie kennenlernen, nämlich jeder Zeit oder jederzeit, für wie viel (wieviel?) Un-Sinn sich den Toren Thür und Tor geöffnet haben. Damit nie Mand (Mandr es ischt Zeit) mich miss(mist)verstehen möge: Ich argumentiere keineswegs gegen eine Reform, jedoch gegen ein verhunztes Reförmchen. Gegen die Verhunzung schreibt auch Ludwig Laher in seinem neuen Buch an. Denn die lek toralen Bestwisser wissen, wo es Lang geht, um die Texte der Zeit genössischen Autorenschaft zu verbessern. In Schulbüchern wird gnadenlos jeder Text von Sprach unkundigen verrichtigt. Dagegen hilft auch kein Nobelpreis für Literatur! Damit das klar ist.

(Manfred Chobot, Podium)

as kleine(?) Buch - entwickelt aus nicht sehr glücklichen Umständen und Rechtschreibungen und Vorschriften - ist, glaube ich, eine Meisterleistung und geht so weit über das Beklagenswerte hinaus und erhellt die wunderbaren feinen Bereiche. Elfriede Jelinek und die anderen und die Leser dürfen sich glücklich schätzen.

(Peter Waterhouse)